Sheila Heti: Wie sollten wir sein?

Cover Wie sollten wir sein

 

«Die einzigartige Momentaufnahme einer Generation» 

Sheila lebt in Toronto: Frisch geschieden und künstlerisch blockiert von der Arbeit an einem feministischen Stück, das sie für ein Theater schreiben soll, steckt sie mitten in der Lebenskrise. Alle anderen scheinen zu wissen, wie das geht: authentisch leben. Nur sie weiß es nicht, hat sie doch das Meiste von Männern gelernt, die ihr etwas beibringen wollten.

Also beginnt sie, Gespräche mit ihrer besten Freundin auf Band aufzuzeichnen, und macht sie damit zu einem Untersuchungsobjekt ihrer philosophischen Neugier. Und nicht nur sie, sondern auch ihren dominanten neuen Lover Israel. Aber wo bleibt dabei sie selbst? Und was ist das überhaupt, ein authentisches Leben? Oder dessen Sinn?

In den USA bekam Sheila Hetis wilder und erfrischend weiblicher Roman, der teils Seelenreise, teils literarisches Künstlerporträt, teils Bekenntnis ist, begeisterte Kritiken. Ein Muss für jeden, der in einer Zeit manischer Jugendlichkeit nach dem sucht, was man altmodisch Charakter nennt.

Jetzt ist der Roman als Taschenbuch erschienen.

 

Wie sollten wir sein? Aus Sicht von Caterina

»Es war wie reines Unschuldigsein, als schwebte ich in Sirup«

Sorge dich nicht – lebe! Der 6-Minuten-Coach: Erfinde dich neu. Einfach glücklich sein!: 7 Schlüssel zur Leichtigkeit des Seins. Könnte Wunder bewirken: Das 40-Tage-Programm, um Ihr Leben grundlegend zu verändern. 50 Wege, das Leben positiv zu gestalten. Pimp Your Life: 99 Dinge, die du unbedingt mal tun solltest. Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will. Die Angst vor dem Glück: Warum wir uns selbst im Wege stehen. Wer wagt, gewinnt: Leben als Experiment. Denke nach und werde reich: Die Erfolgsgesetze. MACHEN – nicht denken!: Die radikal einfache Idee, die Ihr Leben verändert. Die Kunst, ein Egoist zu sein: Das Abenteuer, glücklich zu leben, auch wenn es anderen nicht gefällt. Heirate dich selbst: Wie radikale Selbstliebe unser Leben revolutioniert. Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest. Simplify Your Love: Gemeinsam einfacher und glücklicher leben. Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei: Ein Umdenkbuch. Wie Sie Ihre Hirnwichserei abstellen und stattdessen das Leben genießen. Ich bleib so scheiße, wie ich bin: Lockerlassen und mehr vom Leben haben.

caterinaKurz habe ich überlegt, ob ich als Antwort auf die Frage, wie wir sein sollten, eine Collage aus diesen und weiteren Buchtiteln basteln sollte, denn Ratgeber (auch die ironisch gemeinten) scheinen ja zu wissen, wie das geht: sich selbst finden – bzw. eine bessere Version unseres Selbst. Wenn man im größten Online-Versandhaus der Welt nach Büchern zum Thema Lebensführung sucht, werden sage und schreibe 44.000 Treffer angezeigt.

Alle Welt scheint das Gefühl zu haben, im falschen Leben zu stecken. Oder im falschen Körper und/oder Geist. Wir wollen unser Aussehen verändern, unseren Charakter, unsere Einstellung, unser Verhältnis zu allem, was uns umgibt – und unsere Umgebung gleich mit. Es ist eine permanente Selbstoptimierung, ach was, Selbstperfektionierung; wir streben nach einem erfüllten Leben, nach dem vollkommen Glück. Das können für den einen Geld und Macht sein, für den anderen innere Ausgeglichenheit, und die Wege dorthin sind so vielfältig wie die Anweisungen der Ratgeber.

 

Zugegeben: Ich habe wenig Sinn für Ratgeber dieses Typus, was in erster Linie daran liegt, dass ich mich nicht nur als Bloggerin, sondern auch beruflich mit der schönen Literatur befasse und meine Lesezeit zu rar ist, um über den Tellerrand zu blicken; zudem habe ich eine generelle Aversion gegenüber Anleitungen. (Anders verhält es sich freilich mit klugen und ansprechend aufbereiteten Büchern wie Frank Berzbachs »Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen«, die ich aber auch nicht als Ratgeber begreife, sondern eben als belles lettres – im wörtlichen Sinne.)

Dennoch ist mir die Frage, die die kanadische Autorin Sheila Heti in ihrem »Roman aus dem Leben« stellt – die Frage also, wie wir sein sollten und was wir tun müssen, um das zu werden, was wir sein wollen –, nicht fremd. Auch mich begleitet sie, seit ich mir Gedanken über mich selbst mache: über meine Sichtweisen, meine Leidenschaften, meine Fähigkeiten und darüber, wie ich meine Gegenwart und meine Zukunft gestalten will.

 

In der Schulzeit und zu Beginn meines Studiums war ich immer beeindruckt und auch ein bisschen eingeschüchtert von Freunden, die genau wussten, was sie werden und wie sie leben wollen. Ich hatte lange Zeit keinen konkreten Berufswunsch, wählte meine Studienfächer nicht mit Blick auf das Danach, aber auch nicht aus Alternativlosig- oder Gleichgültigkeit, sondern weil ich mich ehrlich für sie interessierte.

Ich studierte also jene Dinge, bei denen Fachfremde allzu gerne fragen: »Und was kann man später damit machen?«, und weil man selbst keine Antwort weiß, erwidert man mit einer unbestimmten Handbewegung: »Alles und nichts«. Mir kam das sehr gelegen, da ich immer schon eine typische Vertreterin dieser Generation war, die unzählige Optionen hat, sich aber für keine davon endgültig entscheiden mag – aus Angst, die falsche Richtung einzuschlagen und etwas zu verpassen. Womöglich etwas Besseres und Aufregenderes, auf jeden Fall aber etwas anderes.

 

Vielleicht ist das der Grund für meine Rastlosigkeit – dafür, dass ich vier Praktika absolviert und in den letzten zehn Jahren in sieben verschiedenen Städten gelebt habe, dass ich außerdem am liebsten noch drei Sprachen und wenigstens ein Instrument erlernen würde. Oder vielleicht ist es der Selbstoptimierungswahn, von dem ich oben sprach und der heutzutage immer auch bedeutet, Entscheidungen in Hinblick auf den eigenen Lebenslauf zu fällen. Erfahrung um Erfahrung anzusammeln; jede Menge Hard und noch mehr Soft Skills zu erwerben; spannend nach außen zu wirken, indem man herumkommt und sich vielseitig interessiert und engagiert zeigt; auf keinen Fall Lücken zuzulassen.

Da schwirrt einem ja der Kopf. Dabei bin ich mir nicht einmal sicher, ob nicht vor allem ich selbst es bin, die diese Anforderungen an mich stellt, und ob ich das alles wirklich so ernst nehmen muss, wie ich es bisweilen tue. Stünde ich heute so viel anders da, wenn ich mir ein klein bisschen weniger Mühe gegeben hätte?

 

Zumal: Was kann ich schon vorweisen? Ich bin fast dreißig und führe noch immer ein provisorisch eingerichtetes Leben, das manch einer als prekär bezeichnen würden. Mag mich nicht auf den Job und nicht auf die Stadt festlegen, von privaten Dingen ganz zu schweigen. Scheue mich vor Bindungen, angefangen beim Handyvertrag, und noch mehr vor Verantwortung. Habe keinen Lebensentwurf, den ich wie einen Bauplan aufrollen und Stück für Stück realisieren könnte, und folglich nicht die geringste Ahnung, wo ich in zwei, fünf oder zehn Jahren sein werde.

Bislang fahre ich ganz gut mit dieser Nicht-Strategie, ich mag, wie es ist, mache aufregende Dinge, lerne großartige Menschen kennen. Es fühlt sich in etwa so an wie bei Sheila Hetis Romanfigur Sheila: »Den größten Teil meines Lebens über führte eins zum anderen. Jeder Schritt trug wie erwartet Frucht. […] Es war wie reines Unschuldigsein, als schwebte ich in Sirup. Die Menschen flogen mir zu. Bei der geringsten Berührung entfaltete sich Glück.«

 

Aber ein bisschen mulmig ist mir dabei schon. Wer weiß, vielleicht fange ich eines Tages an zu taumeln wie Sheila. Immerhin teilen wir dieselbe Unsicherheit und Unentschlossenheit, die mir das Gefühl geben, der Boden unter meinen Füßen sei wackelig. Und irgendwann stehe ich womöglich da und stelle fest, dass ich mich vertan habe. Aber offen gestanden bin ich zuversichtlich, dass es nicht so weit kommen wird, obgleich ich keine Antwort auf die Frage habe, wie ich sein sollte, und sie aller Wahrscheinlichkeit auch nie finden werde.

Natürlich hat der Roman von Sheila Heti auch keine, und ich nehme an, selbst bei den Ratgebern geht es nicht darum. Die einzige Antwort, die ich mir geben kann, ist folgende: Ich muss mir immer wieder vor Augen halten, dass der Weg, den ich bis hierhin gegangen bin, gewiss einer von vielen möglichen ist, aber ganz bestimmt kein falscher. Dass das, was ich bin, auch schon was ist und dass ich allen Anlass habe, zu glauben, ich werde auch weiterhin in Sirup schweben. Wohin auch immer.

 

Caterina bloggt auf www.schoeneseiten.net

Wie sollten wir sein? Aus Sicht von Insa Kohler

Insa Kohler heißt nicht Erika Mustermann, wirft beim U-Bahnfahren Konfetti und schreibt Geschichten darüber, die sie bei Poetry Slams und auf Lesebühnen vorträgt. Ihren Ansatz zu “Wie sollten wir sein?” gibt es dementsprechend als Audiobeitrag im Slam-Stil.
Insa Kohler bloggt auf http://insakohler.wordpress.com

KonfettiInDerUbahn

Wie sollten wir sein? Aus Sicht von Sarah Ewert

Wenn ich mich mit der Frage beschäftige “Wie sollten wir sein, damit wir unsere Position in der Gesellschaft bekommen?”, dann stehe ich erst einmal vor einem Desaster, das so einfach nicht beantwortet werden kann.

Erst einmal sind wir nicht mit Absicht so wie wir sind, sondern wir sind so, weil wir einfach wir sind. Wenn wir das Wir jetzt einmal in die Ich-Form bringen, sollte das doch einfacher sein. Sich auf eine einzelne Person zu konzentrieren, macht viel mehr Sinn.

sarahewert

Jeder Mensch bekommt in den jungen Jahren alles beigebracht und ich denke, dass jeder Mensch sich noch drehen und wenden kann gegenüber dem, was er gelernt hat. Nicht jeder Mensch, der als Kind geschlagen wird, muss unbedingt ein Schläger oder hoch sensibel werden. Somit kann jeder Mensch auch wählen, wie er sein will.

Ob er nun eine eher positive oder eine eher negative Persönlichkeit bekommt, ist jedem wohl selbst überlassen, da jeder gegenüber seinem Leben und auch meist dafür verantwortlich ist, wie das Umfeld auf einen selbst reagiert.

So bilde ich mir am Ende meine Meinung, dass wir alle aufeinander achten sollten. Ich würde die positive Persönlichkeit wählen, da ich mir mein Leben kaputtmachen würde, wenn ich es nicht so sehen würde. Mir hat eine negative Ausstrahlung und auch negatives Verhalten nie etwas gebracht, weswegen ich immer versuche mein Umfeld fair zu behandeln.

Menschen, die nichts mit mir zu tun haben wollen, die werde ich nicht wirklich beachten, da sie sich für mich nicht aufmerksam machen. Natürlich gilt hier für mich persönlich, wenn es zu irgendwelchen Gefahren für denjenigen kommt, dann schreite ich ein und helfe.

Um diese Frage 100%ig beantworten zu können, muss man die Münze wohl von beiden Seiten betrachten, aber man sollte immer daran denken, dass eine Münze nicht nur oben und unten hat, sondern auch einen Rand. Dieser sollte auch beachtet werden, sodass ich diese Frage nur mit meinem kurzen Gedankenschwall “erklären” kann und nicht beantworten.

Jeder Mensch ist für sich verantwortlich und wählt mit seiner Persönlichkeit und seinem Verhalten seine eigene Position in der Gesellschaft.

Sarah Ewert bloggt auf http://sarahsuperwoman.wordpress.com

 

Wie sollten wir sein? Aus Sicht von Sophie Weigand

Die Frage, wie wir sein sollten, wird uns heute ja von vielen Seiten unterschiedlich beantwortet. Die Medien ermuntern uns zu Berühmtheit und roten Teppichen – obwohl das am Ende des Tages weniger als nichts bedeutet –, die Wirtschaft verlangt Flexibilität und Leistungsbereitschaft. Eltern verlangen vielleicht, dass wir wie sie werden oder so, wie sie leider nie sein durften, aber immer noch gern wären.

Als jemand, dessen Leidenschaft die Literatur ist, würde ich die Frage ganz einfach beantworten: offen. Literatur ermöglicht, in unendlich viele Identitäten und Geschichten zu schlüpfen, Welten kennenzulernen, die man in realitas vermutlich niemals betritt, Gedanken von Menschen zu erfahren, die man andernfalls nie erfahren hätte.

Sophie_Weigand

Ich bin so aufgeschlossen wie möglich anderen Menschen gegenüber, ihren Wünschen, ihren Problemen, ihren Ängsten. Es gibt kaum ein Thema, das mir zu abseitig erscheint, um etwas darüber zu wissen. Manchmal braucht es auch nur den richtigen, um es einem näher zu bringen.

Und ich glaube, dass diese Offenheit der Welt gegenüber ein wesentlicher Charakterzug ist, den man sich bewahren sollte. Nicht nur erleichtert es den Kontakt zu anderen, man lernt die Dinge auch viel reflektierter zu betrachten, man lernt sie verstehen in ihren Zusammenhängen. Man wird umsichtig und verliert Scheuklappen. Die Tunnelblickgefahr ist weitgehend gebannt. Dabei kann Literatur helfen, Kunst im Allgemeinen – weshalb ich sie für unschätzbar halte.

Ein Buch ist nicht einfach nur ein Buch oder ein Gemälde ein Gemälde, nicht einfach nur das Ergebnis künstlerischer Selbstdarstellung. Die Kunst hilft, im Idealfall, von unserer eigenen Wahrnehmung zu abstrahieren. Der sind wir nun mal ausgeliefert, ihr können wir langfristig nicht entkommen. Aber kurzfristig – kann man mit ein bisschen Fantasie jede denkbare andere Perspektive einnehmen.

Viele andere positive Charaktereigenschaften ergeben sich ganz automatisch aus dieser Aufgeschlossenheit, ohne, dass man sie sich mühsam antrainieren müsste. Darüber hinaus – kann natürlich jeder in seiner individuellen Ausprägung sein wie er möchte, solange er selbst damit leben kann. Das ist ja bekanntlich für manchen schwierig genug.

Sophie Weigand bloggt auf www.literatourismus.net

Wie sollten wir sein? Aus Sicht von Mara Giese

„Solange das Denken besteht, sind Worte lebendig, wird Literatur zum Ausweg – nicht aus dem, sondern ins Leben.“ – Palinurus, Das ruhelose Grab

Mara Giese_Collage Notizbuch

Als Literaturbloggerin und begeisterte Leserin liegt es für mich natürlich nahe, die Frage danach, wie wir sein sollten, aus einer literarischen Perspektive heraus zu beantworten. Für mich hat diese Frage etwas mit Orientierung zu tun, mit Authentizität und damit, einen Platz in dieser Welt und in unserem eigenen Leben finden zu wollen.

Zu wissen, wie ich sein möchte und wie ich leben will, war gar nicht immer leicht für mich. Doch schon immer waren Bücher für mich eine Möglichkeit, einen Blick in das Leben anderer Menschen zu werfen: wie lebt und liebt man?, wie geht man mit Traurigkeit und Unglück um?, was fehlt zum Glück? und wie stellt man sich dem Leben und dem Tod?. Das sind Fragen, die beschäftigen und auf die ich Antworten in Büchern gefunden habe.

In Büchern begegnen mir Menschen, die vielleicht ähnliche Dinge erlebt haben wie ich, die vielleicht dieselben Ängste empfinden, die ich empfinde. Bücher zu lesen, bereitet mir nicht nur Freude, sondern ist für mich auch eine Lebenshilfe. Bei der Frage, wie wir sein sollten, bieten sie Anregung, Anleitung und Orientierung. Was könnte einem besser helfen, als die Erfahrungen von Romanfiguren, in deren Lebensentwürfe man als Leser wie durch ein Fenster hineinschauen kann?

„Bücher bieten keine Rettung an, aber sie können den Geist davon abhalten, sich wund zu kratzen.“ – David Mitchell

Während meines Studiums fing ich an, ein Notizbuch zu führen, das ich anfüllte mit Worten von Autoren, die durch ihre Bücher zu mir sprachen. Dieses Notizbuch ist nicht nur mein literarisches Gedächtnis, sondern auch ein Buch der Lebenshilfe. Damals, als ich fieberhaft Worte in dieses Buch übertrug, hoffte ich, dass sie mich klüger machen würden, weiser und mir die Angst vorm Leben nehmen könnten. Heutzutage ist es eine kleine Schatztruhe voller Satzjuwelen. Eine Schatztruhe, die ich jederzeit aufschlagen kann, wenn ich Trost, Rat und Zuwendung brauche.

Mara Giese_Buchregal

Alles was ich brauche, um ein guter Mensch zu werden, habe ich vermutlich aus Büchern gelernt. “Here is a lesson in creative writing. First rule: Do not use semicolons”, sagt Kurt Vonnegut und bei jedem Semikolon das ich dennoch setze, muss ich an diesen Satz denken.

“Unglück multipliziert sich, wenn es nicht schnell genug behandelt wird” ist eine Lebensweisheit von Marisha Pessl, die mich durch den einen oder anderen unglücklichen Moment begleitet hat.
Janet Fitch hat mir Kraft gegeben, wenn sie schreibt, dass es nur eine Tugend gibt: „Man kann alles ertragen. Der Schmerz, den wir nicht ertragen können, tötet uns sofort.“ So blättere ich mich durch hunderte von eng beschriebenen Seiten voller Wort- und Satzjuwelen, die mir an ganz unterschiedlichen Punkten in meinem Leben dabei geholfen haben zu entscheiden, wer ich sein möchte, wie ich leben will und wen ich lieben möchte.

Ich glaube daran, dass man aus Büchern lernen kann, wie man leben soll und wie man nicht leben darf. Ich glaube daran, dass Bücher dabei helfen können, Antworten zu finden. Mich haben Wörter mutiger gemacht, stärker, liebenswerter, klüger, geduldiger und verständnisvoller.

Mara Giese bloggt auf buzzaldrins.wordpress.com

 

Wie sollten wir sein? Aus Sicht der Blogger

Cover_wie_sollten_wir_seinIn ihrem teils fiktiven, teils autobiografischen Buch «Wie sollten wir sein?» beschäftigt sich Sheila Heti mit der Frage, wie wir unsere Position in der Gesellschaft finden können. Welchen Preis sind wir bereit zu zahlen, um das vermeintliche Ideal zu erreichen?

Uns hat interessiert, wie Blogger in Deutschland diese Fragestellung angehen. Daher haben wir literaturaffine Blogger gefragt, wie sie diese Aufgabe für sich lösen.
In ihren teils sehr persönlichen Antworten erzählen uns junge Menschen, woran sie sich orientieren, mit welchen Erwartungen sie konfrontiert werden, und wie sie Trost finden.

In den nächsten Tagen veröffentlichen wir die Beiträge und sind gespannt auf weitere Meinungen. Welche Sichtweise haben Sie? Teilen Sie einige Ansichten oder würden Sie ganz anders an das Thema herangehen? Wir sind gespannt.

Leseprobe

Cover Sheila Heti: Wie sollten wir sein«Wie sollten wir sein?

Jahrelang fragte ich das jeden, den ich traf. Ich achtete immer darauf, was Leute in irgendwelchen Situationen taten, damit ich es auch tun konnte. Ich lauschte ihren Antworten, damit ich sie zu meinen machen konnte, wenn sie mir gefielen. Ich beobachtete, wie sie sich kleideten, wie sie ihre Liebespartner behandelten – alle hatten irgendetwas Beneidenswertes an sich.

Es fällt einem ja leicht, Menschen dafür zu bewundern, dass sie so in sich ruhen. Es ist im Gegenteil richtig schwer, es nicht zu tun, wenn jeder so gut darin ist. Aber wenn man sie sich dann alle zusammen vorstellt – wie soll man sich da entscheiden?»

Zur gesamten Leseprobe von “Wie sollten wir sein”

Sholem

«Wir hatten uns zum Brunch verabredet. Es war Sonntag. Ich traf als Erste ein, dann kamen Misha und Margaux, schließlich Sholem und sein Partner Jon.

Ein paar Wochen vorher hatten die Besitzer des Diners die früher in einem fettbespritzten Beige gehaltenen Wände in ein debiles Pastellblau umgestrichen und dann gigantische Rühreier, Speckstreifen und Pfannkuchen mit Sirup draufgesprüht. Das hatte zwar den Raum ein bisschen verschandelt, aber das Essen war billig, es war nie etwas los, und wir bekamen immer einen Tisch.

Ich teilte mir mit Margaux ein Spezialfrühstück und einen Grillkäse. Jon wollte unsere Fritten haben. Ich erinnere mich nicht, worüber wir zu reden begannen oder wer an dem Tag am lustigsten war. Ich erinnere mich an kein einziges Detail, bis das Gespräch auf Hässlichkeit kam. Ich sagte, vor ein paar Jahren hätte ich mein Leben mal unter die Lupe genommen und gemerkt, dass alle hässlichen Menschen daraus entfernt waren. Sholem sagte, er könne nicht wirklich mit jemandem befreundet sein, den er nicht anziehend finde.

Misha

„Ich wäre lieber so verantwortungsbewusst wie Misha als so verantwortungslos wie Margaux? Zu Misha passt eben das Verantwortungsbewusste gut und zu Margaux das Verantwortungslose. Woher soll ich wissen, was zu mir selbst am besten passt?“

Nicht nur die Protagonisten Sheila und Margaux gibt es in Wirklichkeit, auch Misha ist eine reale Person. Es handelt sich hier um Misha Glouberman:
www.mishaglouberman.com

Hier spricht er über seine Schwierigkeiten, sich in die Welt von Harvard einzufügen.